Region Murau

Wo die Energie­wende zur Realität wird

Der Bezirk Murau mit seinen rund 28.000 EinwohnerInnen ist eine ländlich geprägte Region mit einzigartigem und intaktem Lebens- und Naherholungsraum und überdurchschnittlich guter Luftqualität. Der florierende Tourismus, ein starkes regionales Handwerk und eine nachhaltige Land- & Forstwirtschaft prägen den Bezirk, der seit 2012 auch Modellregion ist. Die Lage südlich des Alpenhauptkammes mit einer Seehöhe von 654 m bis 2.742 m und einer Fläche von 1.384 km2 begünstigt einen Reichtum an den natürlichen Ressourcen Wasser, Biomasse, Sonne und Wind. Die regionale Energiewirtschaft nutzt diese sehr bedacht, schonend und umweltgerecht.

Murau hat sehr viel erreicht. Das sichtbarste und kraftvollste Zeichen dafür, dass die Energievision Murau
Realität wurde, ist die Tatsache, dass sie bereits Exporteur von erneuerbarem Strom ist:

  • Jährliche Stromerzeugung durch erneuerbare Energie: 417 GWh
  • Jährlicher Stromverbrauch der Region: 119 GWh
  • Murau produziert mehr als 3 Mal so viel Strom wie verbraucht wird

 

Weitere Highlights

• Die Stadt Murau ist inselbetriebsfähig und kann sich im Fall eines Blackouts selbst versorgen.
• Der Anteil an Biomasse im Wärme- bereich wurde von 40 % auf 75 % gesteigert!

Wasserkraftwerke

89 Wasserkraftwerke
Gesamtleistung: 88.500 kW
Jahresstromproduktion: 337.400 MWh
(= 337,4 Millionen kWh)

Heizwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung

6 Heizwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung
Gesamtleistung: 2.200 kW
Jahresstromproduktion: 14.400 MWh
(= 14,4 Millionen kWh)

Heizwerke mit Biomasse

45 Heizwerke
Gesamtleistung: 41.000 kW
Jahreswärmeproduktion: 95.000 MWh
(= 95 Millionen kWh

Photovoltaik-Anlagen

973 Anlagen
Gesamtleistung: 12.600 kWpeak
Jahresstromproduktion: 12.600 MWh
(= 12,6 Millionen kWh)

Windkraft-Anlage

10 Windräder
Gesamtleistung: 32.000 kW
Jahresstromproduktion: 60.000 MWh
(= 60 Millionen kWh)

Globale Aufgabenstellungen – weltweite Ziele

Die Erderwärmung ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Die Energieversorgung muss völlig neu aufgestellt werden – weg von fossilen und atomaren Brennstoffen hin zu einem Mix aus allen erneuerbaren Energiequellen. Konkretes Ziel des Pariser Klimaabkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius. Detail: Bei einer globalen Erwärmung von über 2 Grad geht die Wissenschaft davon aus, dass der Klimawandel infolge selbstverstärkender Prozesse nicht mehr vom Menschen beherrschbar ist (Folgen sind u. a. das Auftauen der Permafrostböden, vermehrte Waldbrände etc.). Ab 2050 darf kein weiteres CO2 aus fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre gelangen. Regionale Lösung ist die Etablierung eines nachhaltigen Energiekreislaufs: Energieproduktion aus erneuer- baren Quellen und intelligente Nutzung dieser Energie in sämt- lichen Sektoren – von der Wärme- bereitstellung bis hin zur Indus- trie, zu regionalem Handwerk und fur Mobilität. Murau stellt sich diesen Herausforderungen und ist mit vielen innovativen Energie- projekten internationales Vorbild.

Nationale Ziele, regionale Maßnahmen

Von Klima- und Energiefonds bis Klima- und Energie-Modellregion

Wie alles begann: Der Klima- und Energiefonds

2007 wurde der Klima- und Energiefonds von der Bundes- regierung gegründet, um die Umsetzung ihrer Klimastrategie zu unterstützen. Dazu wurden im ländlichen Raum die Klima- und Energie-Modellregionen geschaffen, die vor Ort die besten – an die Gegebenheiten angepassten – Lösungen bieten.
Jede Region kann ihre Stärken voll ausspielen und nutzen: Wind, Sonne, Wasser, Wälder, …

So auch die Klima- und Energie-Modellregion Murau

mit ihren Trägern, den 14 Gemeinden des Bezirkes: Krakau, Mühlen, Murau, Neumarkt in der Steiermark, Niederwölz, Oberwölz, Ranten, Sankt Georgen am Kreischberg, Sankt Lambrecht, Scheifling, Schöder, St. Peter am Kammersberg, Stadl-Predlitz und Teufenbach-Katsch.

Mit der #mission2030 der Bundes- regierung wurde in Österreich erst- mals eine bundesweite Klima- und Energiestrategie im Sinne der Klimaziele von Paris verabschiedet, der konkrete Handlungshorizont sind die EU-Klimaziele 2030. Die Klima- und Energie-Modell- region Murau versteht sich als Institution zur konkreten Umsetzung dieser Ziele, denn es ist eine Jahrhundertaufgabe, die der Klimawandel an die Gesellschaft und Wirtschaft stellt. Nur durch den konsequenten Ausbau von Wasserkraft, Windkraft, Sonnen- kraft und Holzkraft in den Regionen – im Speziellen im ländlichen Raum – wird die Energiewende zur Realität. Murau zeigt, wie es geht und ist damit Vorbild für viele Regionen.

Zukunftsweisende Maßnahmen

Die drei Säulen des umfassenden Klimaschutzes in der Klima- und Energie-Modellregion Murau

Die Region als grüner Energieexporteur

Rein in die Erneuerbaren/ Raus aus dem Öl

Die Region als konsequenter Treiber der Energieeffizienz

Energieraumplanung, Effizienzsteigerungs- maßnahmen

Die Region als CO2-Senke

Natürliche CO2-Speicherung durch verbesserte Humusbilanz

Entlang der Strategien und der Betrachtung eines umfass­enden Klima- schutzes in der Region sind zukunfts­weisende Maß­nahmen definiert:

1.

 Murau setzt gezielt Maßnahmen, um Schritt für Schritt als Living Lab für die Umsetzung der #mission2030 im ländlichen Raum fungieren zu können. Dies beginnt bei einem neuen Bewusstsein für die Energievision „Energie- region aktiv“.

2.

Murau setzt gezielt Maßnahmen, um von innen heraus diesen Weg der Dekarbonisierung glaubwürdig zu gehen. Dies umfasst nicht nur die umgesetzten
Energie-Leuchttürme, sondern auch eine Stärkung der Vorbild- wirkung durch die Gemeinden selbst.

3.

Murau setzt auf konkrete Lösungen, wie erneuerbare Energie als Wirtschaftsfaktor eine positive Entwicklung der Region vorantreiben kann und
kooperiert mit der heimischen Energiewirtschaft sowie Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen.

4.

Murau startet mit ersten Schritten, die Region als CO2-Senke zu etablieren und damit mehr zu tun, als nur aus den fossilen Energieträgern auszusteigen.

Murau als Living Lab

Für die Umsetzung der Energiewende im ländlichen Raum

Die Vision eines Living Lab wird Wirklichkeit:
Gemeinsam mit den Partnern aus der regionalen Energiewirtschaft, der Regionalentwicklung, dem Land Steiermark und Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen wird sich Murau als Feldlabor für zukünftige Energiefragen etablieren. In Murau werden Ideen, wie die Energiewende im ländlichen Raum effektiv gelingen kann, nicht
nur konzipiert, sondern vor Ort umgesetzt. Diese innovativen Lösungen sollen in weiterer Folge anderen Regionen zugänglich gemacht werden. Schon jetzt ist es der Region gelungen, die meist isoliert betrachteten Bereiche Wärme, Strom und Mobilität in der gesamten Region zusammenzuführen und somit das Konzept der Energiesouveränität sektorübergreifend zu entwickeln. Dazu sind vier Grundstrategien für die nächsten Jahre definiert:

 

4 Grundstrategien:

 

  • Nutzung der Biomasse als Strom- speicher und Steigerung der regionalen
    Wertschöpfung
  • Entwicklung einer regionalen Speicher- strategie mit integrierter regionaler
    Netzdienlichkeit
  • Aufbau regionaler und touristischer E-Mobilitäts-Angebote
  • Etablierung von Murau als Wasserstoff- Vorreiter-Region

Ein virtueller Energiespeicher

 

Um die regionale Energiesouveränität zu ermöglichen und als eigenständige, stabile Zelle agieren zu können, verfolgt die Klima- und Energie- Modellregion das Konzept des „virtuellen Energiespeichers“. Dabei stehen die Maximierung der regionalen Eigenstromversorgung, also die volle Ausschöpfung der erneuerbaren Ressourcen vor Ort, sowie die Speiche- rung von Strom und Wärme im Fokus – und das bei gleichzeitig stärkster Entlastung des übergeordneten Netzes.

Summe der jährlichen Wirkleistungs­­messungen

Die Grafik zeigt, wann in der Region Stromüberschüsse vorhanden sind (grüne Bereiche) und wann die Region Strom von außerhalb benötigt (rote Bereiche). Schon mit einem Speichervolumen von 1,6 Gigawattstunden und einer Leistung von 20 Megawatt könnte die Region das ganze Jahr über leistungsautark sein – daran arbeitet man in Murau intensiv!